Antirassistische Demonstration in Oranienburg

Am Sonntag, den 21. März 2010 jährt sich zum 50. mal das Massaker von Sharpeville (Südafrika). Damals griff der Polizeiapparat des herrschenden Apartheidregimes eine Demonstration von  ungefähr 20.000 Menschen, die gegen die rassistischen Passgesetze und die damit verbundene so genannte „Rassentrennung“ protestierten, an, schoss wahllos in die Menge und tötete dadurch 69 Menschen.

Zum Gedenken an die Opfer und zur Solidarisierung mit ihrem Kampf wurde deshalb sechs Jahre später der „Internationale Tag zur Überwindung des Rassismus“ durch die UNO ausgerufen.

Bereits heute fanden sich deshalb, ähnlich wie in den Vorjahren, ungefähr 250 Menschen in Oranienburg zusammen um der Bedeutung des Tages gerecht zu werden und gemeinsam u.a. gegen eine Gesetzgebung in der Bundesrepublik zu demonstrieren, die Rassismus begünstigt. Diese behindert vor allem die hier lebenden Flüchtlinge in der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit und macht sie via „Residenzpflicht“ im weiteren Sinne zu Gefangenen, zu Bürger_innen zweiter Klasse, sowie bei Verstößen dagegen zu Straftäter_innen. Die vermehrten polizeilichen Kontrollen von Menschen mit außereuropäischen Wurzeln aufgrund mutmaßlicher Residenzpflichtverstöße, führen dabei oft zu Vorverurteilung sowie Kriminalisierung von Menschengruppen und schüren rassistische Vorurteile in der Bevölkerung.

Dem Demonstrationszug hatte sich neben lokalen Initiativen aus Oranienburg sowie den Nachbarstädten Berlin, Hennigsdorf, Velten und Kremmen auch zahlreiche Migrant_innen angeschlossen.

Ein zweites großes Thema der Demonstration war die Positionierung gegen (neo)nazistische Umtriebe in der Region und darüber hinaus. Im südlichen Teil des Landkreises Oberhavel gibt es vor allem  starken Strukturen der so genannten „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD), die mit ihrem Konzept des Ethnopluralismus an die Zeiten der „Rassentrennung“ in Südafrika  anknüpfen will. Ihr geplanter Marsch zur politischen Macht, insbesondere in die Legislative und Exekutive,  soll über die Teilnahme an politischen Wahlen führen und kann nur durch ein klares und deutliches Engagement begegnet werden. „Wer schweigt stimmt zu!“, so deshalb das Leitmotiv auf dem Fronttransparent des Antifablocks auf der Demonstration.

Gerade in Oranienburg ist dieses Bekenntnis besonders wichtig, hat sich doch im Ort während der nationalsozialistischen Diktatur  eines der berüchtigten Konzentrationslager, das KZ Sachsenhausen, befunden, wo der Rassismus der Nazis in sozialdarwinistischster Weise ausgelebt wurde und tausende Menschen ermordet wurden.

Die Gedenkstätte wurde deshalb bewusst als würdiger Ort für die Auftaktkundgebung ausgewählt, zumal sich 2010 auch der 65. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch die rote Armee nährt.

Darüber hinaus wurde während einer Zwischenkundgebung auch den Opfern des KZ Oranienburg, dass sich ebenfalls im Stadtgebiet befand, mit der würdevollen Niederlegung von zwei Kränzen gedacht.

Die antirassistische und antifaschistische Demonstration endete offiziell vor dem Oranienburger Schloss mit dem Aufruf sich an den Gegenaktivitäten zum geplanten (Neo)naziaufmarsch am kommenden Samstag, den 27. März 2010, in Neuruppin zu beteiligen.

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