Haftstrafen nach Überfall in Premnitz

Mit einem Schuldspruch endete heute der Prozess gegen die drei Premnitzer (Neo)nazis Alexander Michael Kneschke, Kevin Torsten Bergner und Peer Sonntag vor dem Amtsgericht Rathenow.

In der Beweisführung wurde den Angeklagten nachgewiesen in der Nacht zum 25. Oktober 2009 einen Punk nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung in einer Diskothek in Premnitz tätlich angegriffen und verletzt zu haben. Das Opfer erlitt dabei unter anderem Frakturen im Kopf- und Fußbereich.

Während der Verhandlung bestritten die Angeklagten die ihn angelasteten Straftaten. Der von ihnen bestellte Verteidiger diffamierte das Opfer und unterstellte dem Gericht (erfolglos) das dies „kein rechtliches Verfahren“ sei.

Der Punk und eine weitere Zeugin überzeugten dagegen durch die wahrheitsgemäße Wiedergabe des Tatgeschehens und die glaubwürdige Identifikation der Täter.

Und die sind in Premnitz und darüber hinaus keine Unbekannten.

Der 21 Jährige Zeitarbeiter Alexander Michael Kneschke gehört seit spätestens 2005 dem (neo)nazistischen Milieu in Premnitz an, bekennt sich zu den so genannten „Nationalen Sozialisten Premnitz“ und unterstützt Aktionen und Veranstaltungen des NPD Kreisverband Havel-Nuthe. Daneben fiel er in der Vergangenheit auch durch die Beteiligung an gewalttätigen Übergriffen, so am versuchten Brandanschlag auf den Premnitzr Jugendclub im Jahr 2005, auf. Hierfür wurde er am 18. April 2007 wegen Verabredung zum Mord in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Zu dem gilt als erwiesen das Kneschke der Drahtzieher hinter der zur Zeit inaktiven so genannten „Redwatch“- Internetseite steckt, bei der zahlreiche „Antifaschisten“, darunter auch das aktuelle Opfer, mit Namen und Foto abgebildet waren und denen dort, mehr oder weniger indirekt, mit Gewalt gedroht wurde.

Der 32 Jährige arbeitslose Arbeitslose Kevin Torsten Bergner ist seit Anfang der 1990er Jahren im (neo)nazistischen Milieu in Premnitz verankert und gehörte, bis zu deren Verbot im April 2005, der so genannten Kameradschaft „Hauptvolk“ an, mit deren weiteren Mitglieder_innen er gemeinsam u.a. am (Neo)naziaufmarsch am 13. Februar 2005 in Dresden teilnahm. Hauptsächlich fällt er aber durch Roheitsdelikte auf, die zu zahlreichen Verurteilungen in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre führten. Am 29. März 1999 wurde Bergner beispielsweise wegen eines brutalen Überfalls auf einen Treffpunkt jugendlicher Punks am 30. Januar 1998 rechtskräftig verurteilt.

Der 24 Jährige Soldat Peer Sonntag bestritt auf der Anklagebank Mitglied des vom Gericht als „rechts“ bezeichneten (neo)nazistischen Milieus zu sein. Von ihm existieren jedoch fotografischen Aufnahmen, die ihn als Teilnehmer einer NPD Veranstaltung am 16. Juni 2007 in Rathenow zeigen. Zu dem zeugte ein Heckaufkleber seines Pkw mit der Blut unterlegten Aufschrift „No Go Area Zone Supporter“ eindeutig zu welchem Milieu er sich zugehörig fühlt.

Das Gericht hatte nach der Beweisführung und der erwiesenen Schuldigkeit der Angeklagten nur noch die Urteile zu fällen.

Alexander Michael Kneschke wurde, auch in Anbetracht seiner zahlreichen Vorstrafen, zu einer Freiheitsstrafe zu eineinhalb Jahren ohne Bewährung verurteilt.

Kevin Torsten Bergner wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung, verurteilt, weil in seinem Bundeszentralregisterauszug nur eine Verurteilung wegen Beleidigung aus dem letzten Jahr vermerkt war. Selbst das Gericht war über diese seltsame Verringerung der Vorstrafen ihres noch gut bekannten „Kunden“ aus den 1990er Jahren sehr verwundert, beließ es jedoch bei der Bewährungsstrafe.

Peer Sonntag wurde zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung, verurteilt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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