Widerstand gegen (Neo)naziaufmarsch in Salzwedel

Zahlreiche Blockaden verhindern Marsch durch Innenstadt /
Polizei setzt Marsch von 150 (Neo)nazis auf Alternativstrecke durch

Durch zahlreichen Blockaden hatten heute mehrere hundert Menschen einen Marsch von (Neo)nazis durch das Zentrum der altmärkischen Kleinstadt Salzwedel (Sachsen-Anhalt) zunächst verhindert, bis die Polizei den 150, größtenteils angereisten (Neo)naziaktivist_innen eine kurze Strecke am nördlichen Stadtrand durchsetzte.

Zum Aufmarsch aufgerufen hatten unter anderen die lokal verankerten so genannten „Freien Nationalisten Altmark-West“, die auch das Frontbanner stellten. Sie wollten mit der Veranstaltung das Bekenntnis der Bundesrepublik zum 8. Mai als Tag der Befreiung kontern und die Niederlage des Nationalsozialismus betrauern.
Diesbezüglich hatte auch der Vorsitzende des NPD Kreisverband Altmark, Kai Belau aus Tangerhütte, unter dem Motto „Wir feiern nicht“ vor geraumer Zeit den Marsch durch die Stadt angemeldet.
Ursprünglich war dafür sogar der 8.Mai selber als Veranstaltungstermin angekündigt worden, konnte jedoch wegen anderer, zeit- und ortsgleich stattfindender Veranstaltungen nicht durchgesetzt werden. (1.)

An diesem Wochenende wurde jedoch den (Neo)nazis das Recht zu gestanden mit ihrer Propaganda die Bürger_innen von Salzwedel zu belästigen.

Viele Menschen waren damit jedoch nicht einverstanden und riefen zu Protesten gegen den (Neo)naziaufmarsch auf. Zahlreiche Mahnwachen und Infopunkte wurden angemeldet, Leute auch aus anderen Regionen dazu eingeladen sich am Widerstand gegen die (Neo)nazis zu beteiligen. (2.)

Tatsächlich waren dann auch viele Menschen zusammen gekommen um an unterschiedlichen Punkten, die (neo)nazistische Marschroute zu blockieren. Erste Blockadeversuche gab es dabei bereits vor dem Startpunkt der (Neo)nazis in der Ernst Thälmann Straße Ecke Vor dem Lüchower Tor.
Hier räumte jedoch die Polizei recht zeitig, so dass der (Neo)naziaufmarsch ungefähr 100m vorankam. Dann war aber erst einmal eine Stunde Pause angesagt, weil mehrere sichtlich überforderte Polizist_innen versuchten eine zweite Blockade in der Goethestraße zu räumen.
Da in derselben Straße, ungefähr 100 m weiter, alsbald eine dritte Blockade entstand, wurde die Marschroute schließlich aufgegeben, die (Neo)nazis aber dennoch nicht nach Hause geschickt.

Der gesamte Marsch wurde stattdessen um 180° gedreht und jetzt alternativ über die Ernst Thälmann Straße und die Karl Marx Straße in den nördlichen Stadtrand geleitet.

Proteste gab es allerdings auch hier. Mehrere kleine Blockaden wurden jedoch recht schnell durch die Polizei geräumt.

Doch nach ein paar hundert Metern war letztendlich auch hier Schluss. Der (Neo)naziaufmarsch wurde zurück Richtung Bahnhof geleitet und dort aufgelöst.

Zu direkten Konfrontationen kam es während des Aufmarsches jedoch, bis auf verbale Schlagabtausche, nicht.
Allerdings ist die Grundstimmung in der Stadt durchaus aufgeheizt. Erst wenige Tage vor dem Aufmarsch hatten Unbekannte das Autonome Zentrum „Kim Hubert“ mit Molotowcocktails angegriffen und dadurch Schäden an der Fassade verursacht. Menschen, die sich im Gebäude aufhielten, kamen jedoch glücklicherweise nicht zu Schaden. (3.)

Das (neo)nazistische Milieu in der westlichen Altmark gilt als besonders gewalttätig, war in den letzten Monaten aber nur bedingt politisch aktiv. Kai Belau und seine Sympathisant_innen nahmen zwar immer wieder an (Neo)naziaufmärschen in anderen Regionen, wie Beispielsweise am 3. April 2010 in Schönhausen/Elbe, am 8. Mai 2010 in Brandenburg an der Havel oder am 16. Januar 2011 in Magdeburg, teil, im Raum Salzwedel soll es jedoch, laut polizeilichen „Staatsschutz“, im vergangenen Jahr „so ruhig wie seit Jahren nicht mehr“ gewesen sein. (4.)

Möglicherweise ist diese scheinbare Ruhe dem Umstand geschuldet, das langjährige (Neo)naziaktivisten aus der Region mittlerweile auch in der organisierten Kriminalität beheimatet sind und als so genannte „Rocker“ der „Red Devils“  die „Hells Angels“ unterstützen. Erst am vergangenen Wochenende wurde beispielsweise Kai Belau, in Begleitung von Kay Schweigel aus Salzwedel, führender Kopf der Kameradschaft „Freie Nationalisten Altmark West“ sowie der regionalen „Red Devils“, im Rahmen polizeilicher Vorkontrollen vor einem „Rockertreffen“ in Bismark gestoppt, da die Polizei eine Auseinandersetzung mit einer rivalisierenden „Rockergruppe“ befürchtete. (5.)

Und das derartige Konflikte Priorität für Belau und Schweigel haben zeigt ihr fernbleiben beim heutigen Aufmarsch.

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Quellen:

(1.) Magdeburger Volksstimme: „Widerstand gegen Aufmarsch von Neonazis formiert sich“,
http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokalausgaben/salzwedel/?em_cnt=2016269

(2.) Mobilisierungseite im Internet: „Den Naziaufmarsch am 14.Mai in Salzwedel verhindern!“, http://14mai.blogsport.de/

(3.) Magdeburger Volksstimme: „Brandanschlag auf Autonomes Zentrum“, http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokalausgaben/salzwedel/?em_cnt=2017989

(4.) wie (1.)

(5.) Magdeburger Volksstimme: „Polizei verhinderte am Wochenende Randale in der Altmark“,  http://vsdigital.volksstimme.de/Olive/ODE/sbk/LandingPage/LandingPage.aspx?href=U0JLLzIwMTEvMDUvMTA.&pageno=MQ..&entity=QXIwMDEwMA..&view=ZW50aXR5

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