Archive for Juli 2011

Der Rattenfänger von Rathenow

22. Juli 2011

Fußballlandesligist mit gewalttätigen (Neo)naziführer / Kopf der verbotenen Kameradschaft „Hauptvolk“ trainiert Kindermannschaft / Kontakte zur NPD

Der Name Altenhordt hat in Rathenow einen gewissen Klang, allerdings keinen sehr positiven. Als Naziskinführer war er in den 1990er Jahren in der havelländischen Kreisstadt wegen unzähliger Gewaltdelikte berüchtigt. Bereits 1991 saß er deswegen nach einer ganzen Serie von Delikten (1.) in Untersuchungshaft. (2.) Trotzdem folgten weitere Vergehen. Das Chaos bei Justiz und Polizei in der so genannten „Nachwendezeit“ ließ Altenhordt immer wieder Freiraum für seine gewalttätigen Neigungen. (3.) Erst im Jahr 2001 saß er nach einem brutalen Übergriff an einer Tankstelle am 20. April 1997 in Friesack (4.) mehrere Monate in Strafhaft.

Seit dem scheint es ruhiger um ihn geworden sein, so dass auch der Rathenower Fußballlandesligist BSC Rathenow 1994 e.V. anscheinend keine Berührungsängste hat, Altenhordt mit der verantwortungsvollen Position des Trainers für seine jüngste Mannschaft, den so genannten „Bambinis“, zu betrauen. Dies offenbart zumindest die Mittwochsausgabe einer Lokalzeitung. (5.)

Doch Altenhordt war in den vergangenen Jahren keineswegs inaktiv. Von spätestens 2000 an führte er die (neo)nazistische Kameradschaft „Hauptvolk“, bis diese im April 2005 rechtskräftig verboten wurde. Von 2003 bis 2004 war er auch als Verantwortlicher für die Internetseite „hauptvolk.de“ bei der Denic eingetragen. (6.)

Trotz Verbot existiert die Kameradschaft als Freundeskreis, in dem Altenhordt noch eine dominierende Rolle spielt, nach wie vor fort. Regelmäßig finden beispielsweise zu Ostern („Ostarafest“), Himmelfahrt („Herrentag“) oder Weihnachten („Julfest“) noch größere Zusammenkünfte dieser Vereinigung bzw. deren Mitglieder statt.

Gemeinsame Ausflüge führen die Kameraden zu dem bis Italien, wo sie im Frühjahr 2011 im (neo)faschistischen Fanblock des Fußballvereins Lazio Rom standen. Auf Bildern der Reisegruppe ist Altenhordt neben den Brandenburgischen NPD Landesvorstandsmitgliedern Stefan Rietz aus Kloster Lehnin und Michel Müller aus Rathenow erkennbar. (7.) Insbesondere zu Müller bindet ihn eine langjährige Freundschaft. Dieser war ebenfalls in der Kameradschaft „Hauptvolk“ aktiv und führt neben der Ausübung seines Amtes im Landesverband auch den NPD Kreisverband Havel-Nuthe.

Der NPD Kreisverband Havel-Nuthe bzw. dessen Stadtverband in Rathenow ist wiederum seit spätestens 2010 bestrebt Kinder an die braune Ideologie heranzuführen. Erst am vergangenen Wochenende fand so beispielweise zum zweiten Mal ein so genanntes „Sommer- und Familienfest“ statt, bei dem explizit auch ein Kinderprogramm geboten wurde. (8.)

Quellen:

  1. Märkische Allgemeine Zeitung: „Skinheads vor Gericht“, 8. Februar 1992

  2. Märkische Allgemeine Zeitung: „Skins in Haft“, 4. Mai 1991

  3. Märkische Allgemeine Zeitung: „Wir haben die Waffen doch nicht eingesetzt“, 24. Februar 1994

  4. Märkische Allgemeine Zeitung: „Schläger festgenommen“ (Polizeibericht), 21. April 1997

  5. Der Preußenspiegel: „Trainer Turniersieg gewünscht“, 20. Juli 2011, Seite 5, http://epaper.media-guides.de/data/6/35/5160/6567/2911_1_PS_Rathenow.pdf

  6. http://www.denic.de (2004)

  7. http://www.facebook.com/profile.php?id=100001794333545&sk=photos

  8. Antifa Westhavelland: „NPD lud zum Zechgelage nach Rathenow“, https://westhavelland.wordpress.com/2011/07/17/npd-lud-zum-zechgelage-nach-rathenow/

NPD lud zum Zechgelage nach Rathenow

17. Juli 2011

Sommerfest des Stadtverbandes mit mäßiger Beteiligung

Gestern hatte der NPD Stadtverband Rathenow zum „2. Sommer- und Familienfest“ in die havelländische Kreisstadt und damit zu „Aktivität(en) für Jung und Alt“ eingeladen. (1.) Neben „Kinderschminken, Bastelstunde, Kuchenbasar“ und „politische(n) Vorträgen zu aktuellen Themen“ sollte es aber bei dieser Veranstaltung anscheinend hauptsächlich um geselligen Angelegenheiten, wie den ausgiebigen Verzehr von „Bier, Radler“ und „Schnaps“ gehen. (2.)

Zum „Sommerfest“ wurde ausschließlich intern geworben. Durch ein Einladungsschreiben, welches dem alternativen Nachrichtenportal INFORIOT zugespielt worden war, war die Öffentlichkeit allerdings informiert. (3.)  Nennenswerte Gegenaktivitäten erfolgten jedoch nicht.

Eine große Außenwirkung hatte die NPD Veranstaltung allerdings ebenso wenig. Die Feier fand in einer Gartensparte am nördlichen Stadtausgang statt. Hier hatte bereits der im April 2005 vom Innenministerium des Landes Brandenburg verbotene „Sturm 27“ residiert. Der ehemalige Vorsitzende dieser Vereinigung, Benjamin Kuhirt, ist heute im Vorstand des NPD Stadtverbandes  Rathenow. Er wird auf der Einladung auch als Ansprechpartner für anreisende Gäste genannt. (4.)

Das Grundstück des „Sturm 27“, seiner Nachfolgeorganisation bzw. des heutigen NPD Stadtverbandes ist ein ungefähr 500 m² großes Areal mit einer ehemaligen Gartenlaube, die zu einem Tagungsort ausgebaut wurde.  Ein Teil des Grundstücks ist zudem mit Betonschwellen aus Gleisanlagen eingefriedet und erweckt den Eindruck einer militärischen Anlage. Gleichzeitig fungiert die Wehrmauer aber auch als Sichtschutz, so dass alle möglichen Aktivitäten die sich dahinter abspielen der Öffentlichkeit verborgen bleiben.

So auch das Sommerfest gestern.  Lediglich eine große Anzahl von Autos, in der Mehrheit aus den Landkreisen Havelland und Potsdam Mittelmark, und eine aufblasbare Hüpfburg deuteten so auf Festivitäten hin. Propaganda oder sonstige offenbare Hinweise  auf die NPD waren nicht zu erkennen.

Gemäß Beobachtungen waren ungefähr 30 – 50 Personen (2010: 70) auf dem Grundstück, darunter der Vorsitzende des NPD Kreisverbandes Havel-Nuthe, Michel Müller, und der NPD Kreistagsabgeordnete Dieter Brose.

Mit der Veranstaltung versucht die die NPD langfristig lokale Strukturen in der Region zu verankern und bereits Kinder an die Partei heranzuführen. Dies ist vor allem wegen der frühen Indoktrinierung mit Hasspropaganda sehr bedenklich.
Ebenso bedenklich ist der freizügige Umgang mit harten alkoholischen Getränken bei einer Veranstaltung, zu der explizit auch Kinder eingeladen werden.

Quellen:

1.) Einladung „Großes Sommerfest vom NPD Stadtverband“, http://inforiot.de/files/NPDRathenowFest2011.jpg
2.) wie vor
3.) Inforiot: „Nazifest in Rathenow geplant“, http://inforiot.de/artikel/nazifest-rathenow-geplant
4.) Wie (1.)

[AFN] Neuruppin blockiert

13. Juli 2011

Hunderte Menschen demonstrierten gegen (Neo)naziaufmarsch in Nordbrandenburg

Mehrere hundert Menschen haben am vergangenen Samstag gegen einen Aufmarsch von Mitgliedern und Sympathisant_innen der so genannten „Freien Kräfte Neuruppin / Osthavelland“ protestiert. Der Zug der ungefähr 200 (Neo)nazis, die hauptsächlich aus Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hamburg und NordrheinWestfalen angereist waren, wurde dabei von lautstarken Gegenbekundungen begleitet.
Am Bernard Braasch Platz wurde der Marsch sogar aufgrund der wenige hundert Meter entfernten Blockade von Sympathisant_innen des Netzwerkes „Neuruppin bleibt bunt“ gestoppt und zur Umkehr gezwungen.

Netzwerk gegen (Neo)nazis

Bereits im Vorfeld hatte sich dieses Bündnis für einen selbstbewussten Umgang mit der (neo)nazistischen Provokation ausgesprochen und zu Gegenaktivitäten in der Stadt eingeladen. (1.) Das diesem Aufruf ungefähr 400 antifaschistische Aktivist_innen folgten und sich auf dem Fontaneplatz über mehrere Stunden entschlossen den (Neo)nazis entgegenstellten kann als absoluter Erfolg gewertet werden.
Auch das bürgerliche Bündnis dürfte mit mehreren hundert Teilnehmer_innen an ihrer Veranstaltung am Vormittag vor der Pfarrkirche St. Marien recht zufrieden gewesen sein

Enttäuschte (Neo)nazis

Weniger zufrieden waren dagegen die (Neo)nazis, die am Bernard Braasch Platz mit Parolen wie „Kniet nieder Ihr Bauern, die Nazis sind sauer“ oder „Wir kriegen Euch alle“ drohten. Zuvor hatte bereits Redner Axel Reitz während einer Zwischenkundgebung den Nazipulk elektrisiert.
Und Veranstalter Marvin Koch gab in seinem Redebeitrag am Bahnhof sogar zu, sich nicht zu scheuen „einmal selbst zur Waffe zu greifen“ um gegen den „ewigen imperialistischen Weltenfeind“, den er eben auch hinter der Bundesrepublik und ihrer demokratischen Gesellschaft vermutet, aufzustehen.

Kontinuierliches Scheitern des (Neo)nazimilieus

Seit nunmehr vier Jahren versucht das lokale (neo)nazistische Milieu, zur Zeit unter Führung der „Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland“, nun schon durch kontinuierlich veranstaltete Aufmärsche oder Kundgebungen eine starke Lokalbasis im Raum Ostprignitz-Ruppin zu erobern. Bisher allerdings ergebnislos.
Statt des erwarteten Einknickens der zivilgesellschaftlichen Aktivitäten verstärkte sich nämlich das Engagement der (Neo)nazigegner_innen.
Zu dem kamen, im Vergleich zum Vorjahr, auch deutlich weniger Mitglieder des (neo)nazistischen Milieus selber.

„Freie Kräfte Neuruppin/Osthavelland“

Trotzdem zeigt der Fanatismus der lokalen Szeneprotagonisten, dass mit einem langfristigen Abflauen der (neo)nazistischen Aktivitäten nicht zu rechnen ist.
Die „Freien Kräfte Neuruppin /Osthavelland“ sind eine hyperaktive Propagandatruppe, die regelmäßig an Aufmärschen im gesamten Bundesgebiet teilnimmt, anlass- und aktionsbezogen massenhaft Flugblätter, Plakate und ähnliches Material verbreitet, Schulungsveranstaltungen abhält sowie aktiv die regionalen NPD Strukturen unterstützt.
Ihre Wurzeln hat die Vereinigung in Neuruppin und Umgebung, also im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Durch den Verzug von einzelnen Führungskadern ins osthavelländische Nauen hat sich jedoch deren lokales Operationsgebiet deutlich erweitert.
Erst am 20. April 2011 führten die „Freien Kräfte Neuruppin /Osthavelland“ gemeinsam mit dem NPD Kreisverband Havel-Nuthe bzw. Vertreter_innen der NPD Ortsverbände Nauen und Rathenow eine so genannte Mahnwache, vorgeblich zur Erinnerung an die Opfer des Bombenangriffs während des Zweiten Weltkrieges, durch. (2.)

Quellen:

1.) http://www.netzwerk-neuruppin.de/aufruf
2.) https://westhavelland.wordpress.com/2011/04/21/nazigedenken-in-rathenow-und-nauen/