Archive for September 2011

[AFN] Proteste gegen erneuten Naziaufmarsch in Neuruppin

25. September 2011

(Neo)nazis marschierten „Jetzt erst recht“ / Polizei setzt vollständige Strecke durch / 300 Menschen bei antifaschistischen Gegenaktivitäten

Neuruppin als strategisch wichtigste Stadt im Nordwesten Brandenburgs im politischen Sinne stand auch gestern wieder im Fokus von Hegemoniebestrebungen des (neo)nazistischen Milieus. Die so genannten „Freien Kräfte Neuruppin / Osthavelland“ hatten einmal mehr zu einem Propagandamarsch durch die Fontanestadt geladen (1.), um ihre Teilniederlage vor zwei Monaten mit Hilfe staatlicher Instrumente zu tilgen.

Am 9. Juli 2011 hatten mehrere hundert Menschen den Aufmarsch der (neo)nazistischen Vereinigung durch eine Blockade am Fontaneplatz vorzeitig gestoppt und zur Umkehr gezwungen.

„Jetzt erst Recht“, (Neo)nazis durften marschieren

Unter demselben revisionistischen Marschmotto vom „Schuldkult zur Mitschuld“, sowie dem Zusatz „Jetzt erst recht“ (2.), waren die ungefähr 180 (Neo)nazis aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gestern abermals am Bahnhof Rheinsberger Tor gestartet und dieselbe Strecke, allerdings diesmal komplett, durch die Stadt marschiert.
Im Vorfeld hatten die „Freien Kräfte Neuruppin / Osthavelland“ noch auf ihrer Internetseite gejammert: „(…) Gebt uns dieses mal, was uns zusteht: unser Recht auf eine vernünftige Demonstration, dann seht ihr uns “nur’” einmal jährlich in Neuruppin (…)“ (3.) Dieser Wunsch wurde ihnen nun durch die Polizei erfüllt.
Entsprechend selbstbewusst präsentierten sich die (Neo)nazis in der Stadt. Lautstark hetzten sie gegen Israel und forderten nach „National(en) Sozialismus“
Auch der neue NPD Stadtverband Neuruppin präsentierte sich mit eigenem Banner während des Aufmarsches, ebenso wie die „Freien Kräfte Ost“.
Als Redner bei der Zwischenkundgebung in der Heinrich Rau Straße Ecke Artur Becker Straße trat der ehemalige HDJ Funktionär und jetzige Landtagsabgeordnete der NPD in Mecklenburg-Vorpommern, Tino Müller, auf.

Breite Gegenmobilisierung

Gegen den (Neo)naziaufmarsch hatte vor allem das Netzwerk Neuruppin (4.) brandenburgweit mobilisiert. Infoveranstaltungen wurden im Vorfeld durchgeführt und überregional mit Plakaten zu Protesten aufgerufen. In Brandenburg an der Havel wurden am vergangenen Dienstag und am Donnerstag auch mehrere großflächige Banner an Brücken und anderen Objekten mit Unterstützungsaufrufen für die Gegenaktionen in Neuruppin angebracht.

Im Internet hatte sich zu dem zahlreiche Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen, darunter auch Abgeordnete der Parteien Die Linke, der SPD, der Grünen sowie der CDU mit dem Neuruppiner Netzwerk solidarisiert. (5.)

Blockade durch Polizei aufgelöst

Die Proteste gestern begannen in Neuruppin am Vormittag mit einer antifaschistischen Demonstration in der Heinrich Rau Straße und von dort weiter bis zum Schulplatz in der Innenstadt.

Von dort aus begaben sich viele entschlossene Menschen direkt auf die Marschroute der (Neo)nazis und ließen sich dort nieder. Starke Polizeikräfte räumten jedoch die Sitzblockade und drängten alle Protestierer in Seitenstraßen ab. Von hier aus waren nur noch lautstarke Proteste am Rande möglich.

Bürger_innenproteste

Proteste gegen den (neo)nazistischen Aufmarsch in Hör- und Sichtweite gab es auch durch Bürger_innen am Bahnhof Rheinsberger Tor, in der Karl Marx Straße, am Schinkelplatz und an zahlreichen andrere Punkten in der Stadt.
Hierbei zeigte sich, das sich Neuruppin in der Mehrheit gegen Nazis positioniert.

Quellen:

1.) http://demo.nsfkn.info
2.) wie vor
3.) Freie Kräfte Neuruppin / Osthavelland: „Distanzierung“, 15.09.2011, http://nsfkn.info/?p=1047
4.) Aufruf des Netzwerkes Neuruppin, http://www.neuruppin-netzwerk.de/aufruf
5.) Unterstützer_innen des Netzwerkes Neuruppin, http://www.neuruppin-netzwerk.de/unterstützerinnen

Rückblick Aufmarsch 9. Juli 2011 Neuruppin:

I.) Antifaschistisches Netzwerk [AFN] „Neuruppin blockiert“, http://afn.blogsport.de/2011/07/10/neuruppin-blockiert/
II.) Inforiot: „Nazis wegblockiert“, http://www.inforiot.de/artikel/nazis-wegblockiert
III.) Antifagruppe Oranienburg: „Auswertung Naziaufmarsch Neuruppin“, http://antifagruppeoranienburg.blogsport.de/?p=191

Eine kritischer Blick auf das Stadtfest 2011 in Rathenow

13. September 2011

Verurteilter (neo)nazistischer Gewaltverbrecher als Einlasser / Provokationen durch (Neo)nazis am Samstagabend

Am vergangenen Wochenende versammelte sich die Rathenower Bürgerschaft wieder zum alljährlichen Stadtfest in ihrem Optikpark um die alltägliche Sinnkrise, die Seelenlosigkeit des Arbeitslebens oder das von Depressionen geplagte Bewusstsein in einer wirtschaftlich stagnierenden und soziokulturell sterbenden Region durch Mallorca-Musik und noch mehr Alkohol zu ertränken.

Wie üblich bei Geselligkeiten mit Alkoholausschank und ausschließlich deutschsprachigem Publikum, durfte auch hier die Avantgarde der lokalen Volksgemeinschaftromantiker_innen / Rassefanatiker_innen nicht fehlen. Früher nannte sich dieser berüchtigte Haufen „Hauptvolk“, heute agiert das braune Exkrement bzw. dessen Führungskader unter dem Label der NPD bzw. einer ihrer Untergliederungen.

(Neo)nazistischer Gewaltverbrecher als Türsteher

Geändert hat sich wenig. Auch die Platzhoheit auf dem Festgelände ist ihnen gewährleistet, weil die Türsteher am Optikpark ebenfalls dem „Hauptvolk“ nahestehen. Christian Wendt, der nicht nur an diesem Abend, sondern auch zu anderen Veranstaltungen dort, den Posten des Einlassers inne hat, bekannte sich so beispielsweise bis 2005 durch entsprechende Kleidung offen zu der mittlerweile verbotenen Organisation.

Doch dass ist nur die Spitze des Eisberges. Wendt ist ein verurteilter Gewaltverbrecher, der weder „an der Tür“, noch im Sicherheitsgewerbe allgemein etwas zu suchen hat. Am 11. Oktober 1998 überfiel er mit weiteren (Neo)nazis einen Reiterball in Rhinow und zerdrosch dabei einem bosnischen Türsteher mit einer Eisenstange den Schädel. Das Opfer überlebte die schwere Attacke nur knapp. Wendt wurde wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch rechtskräftig zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt (1.), die er bis 2002 auch in einer JVA absaß. Noch im selben Jahr arbeitete er dann aber bereits schon für eine Security – Firma auf dem Dachsbergfest in Premnitz (2.), wurde aber aufgrund seiner durch Presseveröffentlichungen bekanntgewordenen unrühmlichen Vergangenheit dort nicht mehr eingesetzt. Seit geraumer Zeit ist Wendt nun Türsteher in Rathenow.

The same Procedure …

Mit solchen Ordnern bzw. Sicherheitsdienst im Rücken kann das lokale (neo)nazistische Milieu natürlich aggressiver agieren als sonst. Provokationen, wie Pöbeleien und Rempeleien, waren so normal, Zivilcourage nicht denkbar.

Die Rathenower mögen die braunen Chaoten aus ihrer Stadt zwar nicht, wollen aber andererseits auch selber in Ruhe leben. Entsprechend hilflos agierte die lokale Polizei inkl. ihre Pseudosondereinheiten „gegen Rechts“, die den Sicherheitsdienst verstärkten. Um die insbesondere am Samstag recht dominant auftretende, braune Horde und insbesondere die Giftspritzer aus der lokalen NPD Führungsebene nicht unnötig zu erzürnen, wurden dann die polizeilich zur Zurückhaltung ermahnt, die sich die  Narrenfreiheit des (neo)nazistischen Milieus nicht mehr bieten lassen wollten. Platzverweise oder Hausverbote für die braunen Provokateure wurden hingegen nicht erteilt.

Fazit

Rathenow hat früher auch gerne mal zum Stadtfest Flagge gegen (Neo)nazis gezeigt. In diesem Jahr schienen jedoch eher die letzt genannten ihre Fahne hochzuhalten.
Aber das muss sich ja nicht wiederholen. Im nächsten Jahr ist wieder ein Stadtfest und dort kann sich wieder das demokratische Rathenow präsentieren, vielleicht auch mit einem anderen Sicherheitsdienst und im Idealfall ohne gewisse braune Dauerstörer.

Quellen:     

1.) Märkische Allgemeine Zeitung, „Sie gehörten zu den „Kinderglatzen“,  Gerichtsreport, 10. Juni 1999
2.) Antifaschistische Gruppen im Westhavelland (Herausgeber): „Rechtsextremismus im Westhavelland – Jahresrückblick 2002“, Seite63

Naziparolen in Rathenow entfernt

9. September 2011

An mehreren Garagen auf einem Parkplatz in der Fehrbelliner Straße  in Rathenow wurden in der vergangenen Woche mehrere (neo)nazistische Parolen und ein Hakenkreuz festgestellt, die dort mit Farbe angebracht waren.

Da weder die Besitzer_innen bzw. Pächter_innen der Gebäude, noch die Ordnungs- und Sicherheitsbehörden in der Stadt bisher eine Veranlassung zur Entfernung der gesetzwidrigen Schriftzüge sahen, wurden die Schmierereien in einer antifaschistischen Aktion unkenntlich gemacht.