[AFN] Gedenkkundgebung in Brandenburg an der Havel

Ungefähr 70 Menschen gedachten Sven Beuter und bekannten sich gegen (Neo)nazismus

Im Rahmen einer Kundgebung haben gestern ungefähr 70 Menschen in Brandenburg an der Havel an  Sven Beuter gedacht. Der damals 23 jährige Punk  wurde am 15. Februar 1996 von einem (Neo)nazi angegriffen, brutal zusammengeschlagen und getreten. Wenige Tage später verstarb Sven Beuter an den Folgen seiner schweren Verletzungen.
Die gestrige Kundgebung fand an dem Ort statt, wo Sven Beuter vor 16 Jahren blutüberströmt gefunden wurde. Hier ist eine Gedenkplatte eingelassen, die an den brutalen Angriff erinnert.

Redebeiträge von VVN und AFN

In Redebeiträgen des Vereines der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und des Antifaschistischen Netzwerkes [AFN] wurde darauf hingewiesen, dass die (neo)nazistische Ideologie die Hauptursache für diesen und weitere brutale Angriffe sowie auch für die aktuell diskutierten Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) war. „Individuen“ spielen im (Neo)nazismus „keine Rolle“, so ein AFN-Sprecher. Für (Neo)nazis zähle nur das Volkskollektiv. „Abweichler oder Angehörige anderer ´Völker´“ werden in der (neo)nazistischen Ideologie deshalb als „Schädlinge“ des „rassisch definierten Volkskörpers verunglimpft und deshalb mit brutalsten Mitteln bekämpft“, so der AFN-Vertreter weiter. Ein Sprecher des VVN sah den Tod von Sven Beuter vor allem als Angriff auf „Linke“ und kritisierte deshalb auch die derzeitige konservative Bundesregierung. Mit ihrer Polemik gegen die Partei „Die.LINKE“ werde polarisiert und Feindbilder geschaffen.

(Neo)nazistische Parolen gegen die Kundgebung

Für das lokale (neo)nazistische Milieu schien hingegen gestern schon der Gegner festzustehen. An mehreren Stellen im Stadtgebiet, so auch an einem Hauseingang unmittelbar neben der Gedenkplatte für Sven Beuter, waren Farbanschläge mit dem Slogan „AFN zerschlagen“ angebracht worden. Ernstzunehmende Erwägungen dies auch in die Tat umzusetzen, wurden aber gestern nicht bekannt. Lediglich zwei Späher der (neo)nazistischen Vereinigung „Freie Kräfte Brandenburg/Havel“  wurden beobachtet, als sie die Gedenkveranstaltung aus der Ferne auskundschafteten. Dennoch sei in Brandenburg an der Havel „einiges in Bewegung“, so ein AFN Sprecher während seines Redebeitrages. „(Neo)nazistische Organisationen“ treten demnach vermehrt in Erscheinung und „versuchen durch Hasspropaganda ein Klima der Angst zu erzeugen“.  „Mehrere hundert Holocaustleugner_innen“, so der Vertreter der AFN weiter, durften sich allein im vergangenen Jahr „ohne Protest der Stadt versammeln“, während die Oberbürgermeisterin einige Tage später auf „einem mit Reichskriegsflagge geschmückten Motorrad“ posierte.

Statt Passivität der Stadt, Engagement der Bürger_innen

Das sehr passive und  teilweise unbedarfte Verhalten der  Stadt in der Auseinandersetzung mit dem (Neo)nazismus in Brandenburg an der Havel setzte sich auch bei der gestrigen Gedenkveranstaltung fort. Eine offizielle Delegation zur Teilhabe am Gedenken von Sven Beuter war nicht erschienen. Auch die Oberbürgermeisterin oder eine entsprechende Vertretung war nicht anwesend.
Dafür legten Vertreter_innen der Partei Die.LINKE, des Vereins der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und des Antifaschistischen Netzwerkes [AFN] Blumen und Kränze an der Gedenkplatte für Sven Beuter nieder und bekannten sich gemeinsam mit vielen anderen Bürger_innen eindeutig gegen (Neo)nazismus.

 

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