Antirassistische Demonstration in Dessau

Mehrere hundert Menschen demonstrierten gegen Rassismus, Polizeigewalt und (Neo)nazismus / „Dessauer Verhältnisse“ im Focus der Kritik

In Dessau haben am vergangenen Samstag bis zu 500 Menschen gegen Rassismus, Polizeigewalt  und (Neo)nazismus demonstriert. Anlass waren der Tod des Flüchtlings Oury Jalloh am 7. Januar 2005 in Polizeigewahrsam, die Polizeiübergriffe auf Migrant_innen während und in Folge der Gedenkdemonstration für den Getöteten am 7. Januar 2012 sowie rassistisch motivierte Demonstrationen in den vergangenen Wochen.

 „Dessauer Verhältnisse“

Der vom Anhaltinischen Theater aus gestartete Demonstrationszug machte sodann auch keinen Hehl aus dem Unmut über die unmöglichen Zustände in Dessau. In einem Redebeitrag wurde in diesem Zusammenhang vor allem der „tief in der Bevölkerung verankerte Rassismus und Nationalismus“ als Ursache benannt. Dazu gesellen sich die lokale, „organisierte Neonaziszene mit fließendem Übergang zu rechtslastiger Jugendkultur“, „Stammtischnazis“, ein „rechtsdominierter Fußballverein“ und ein  „NPD-Stadtrat“ sowie „überforderte Behörden“ und „rassistische Polizeibeamte“. Entsprechend trostlos war auch der Eindruck, den die Stadt während der Demonstration vermittelte. Vielen Bürger_innen war das Unverständnis über die Veranstaltung anzusehen. Dennoch war es richtig das Anliegen der Demonstration genau dort vorzutragen. Durch die „Dessauer Verhältnisse“ sind nämlich Menschen gestorben. Alberto Adriano im Jahr 2000 und Hans-Joachim Sbrzesny 2008 als Opfer von (Neo)nazis sowie Oury Jalloh als Opfer von Polizeibeamten.

„Oury Jalloh es war Mord“

Da es zum Tod von Oury Jalloh jedoch noch kein abschließendes Urteil gibt und in einem früheren Verfahren die mutmaßlichen Täter sogar freigesprochen wurden, stand besonders dieser Fall im Vordergrund des Protestes. Dabei wurde die offizielle Tatversion immer wieder angezweifelt und aufgrund von Beweismanipulationen und Falschaussagen lautstark in Frage gestellt: „Oury Jalloh es war Mord“. Allerdings ohne das die Polizeibeamt_innen diesmal, im Gegensatz zur Gedenkdemonstration am 7. Januar 2012, brutal einschritten.
Schließlich führte die Demonstration auch zu dem Polizeirevier, in dessen Zelle Oury Jalloh am 7. Januar 2005, gefesselt, durch ein, so die offizielle Tatversion, von ihm selbst gelegtes Feuer, verbrannte. Mit einer Schweigeminute wurde dem Getöteten gedacht. Auch Oury Jallohs Mutter war anwesend und gedachte in besonders eindringlicher Weise ihrem verstorbenen Sohn.

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