(Neo)naziaufmarsch in Brandenburg an der Havel gestoppt

31. März 2012

Antifas blockieren mehrfach erfolgreich / Spontane (Neo)nazidemo in Premnitz

Mit Blockaden haben Antifaschist_innen heute in Brandenburg an der Havel einen Aufmarsch der NPD gestoppt und die (Neo)nazis zur Umkehr gezwungen. Bereits die ersten Blockaden auf der „Jahrtausendbrücke“ und der „Luckenberger Brücke“ führten zu einer Umverlegung der geplanten Aufmarschroute. In der Willy Sänger Straße Ecke August Bebel Straße wurde der NPD Aufzug dann endgültig gestoppt.

Die (Neo)nazis wollten in Brandenburg an der Havel gegen die Europäische Währungseinheit demonstrieren und hatten sich dafür teilweise als Esel verkleidet. „Ich Esel glaube, daß der Euro uns Deutschen nutzt“, lautete die Message und kopierte eine frühere Aktion von (Neo)nationalsozialisten, welche die Shoa in Frage stellte.

Insgesamt waren ungefähr 150 (Neo)nazis erschienen, mehr als am vergangenen Wochenende in Frankfurt (Oder), jedoch weniger als am 8. Mai 2010 in Brandenburg an der Havel.

Unter den Teilnehmer_innen der NPD Veranstaltung war übrigens auch der Brandenburger (Neo)nazi Sascha Lücke. Der Gewaltverbrecher tötete vor 16 Jahren den Punk Sven Beuter in Brandenburg an der Havel.

Während einer Zwischenkundgebung in der Fontanestraße redeten u.a. der ehemalige DVU-Chef und jetzige NPD Funktionär Matthias Faust sowie der Brandenburger NPD Landesvorsitzende Klaus Beier. Beier kündigte in seiner Rede, aufgrund des Misserfolgs heute, mehrere Spontanaufmärsche an.
Ungefähr zwei  Stunden später marschierten daraufhin ungefähr 40 (Neo)nazis in der havelländischen Kleinstadt Premnitz auf.

Antifaschistische Kundgebung in Potsdam-Grube

26. März 2012

60 Menschen protestierten bei Vermieter von Berliner „Thor Steinar Laden“ / Spontanaufmarsch von (Neo)nazis

Am vergangenen Sonntag protestierten ungefähr 60 Menschen im Potsdamer Ortsteil Grube gegen den dort wohnhaften Vermieter eines Berliner Bekleidungsgeschäftes, welches NS verherrlichende Kleidung feil bietet.

Keine Geschäfte mit Neonazis

Unter dem Motto „Keine Geschäfte mit Neonazis“ wurde der Raumverpächter aufgefordert, das Geschäftsverhältnis mit der Vertriebsfirma des Modelabels „Thor Steinar“ zu beenden und den mit „Tønsberg“ betitelten Laden zu schließen.
In einem Redebeitrag wurde auf die offenbar bewusst gewählten kolonialistischen, völkischen und pronazistischen Motive in der Kollektion von „Thor Steinar“ hingewiesen und an das Gewissen des Vermieters appelliert. Auch wenn diese Kleidung bisher nicht gegen geltendes Recht oder Verordnungen der Bundesrepublik verstößt und sich an dem Geschäft mit „Thor Steinar“ in erstes Linie bereichert wird, ist die Marke trotzdem tendenziös und dient dem (neo)nazistischen Milieu als Identifikations- und Propagandamittel.

Geteiltes Echo in Grube

Zur Diskussion stellte sich der Vermieter des Berliner Geschäftes jedoch nicht. Er soll zurzeit in Südost-Asien weilen. Auch die Ortsteilbewohner_innen hatten kaum Interesse an der Veranstaltung. So lange „Thor Steinar“ nicht verboten sei, wäre ihnen die Angelegenheit egal. Solidarischer mit dem Anliegen der Kundgebungsteilnehmer_innen in Grube, zeigten sich dagegen zahlreiche Passant_innen, die den Potsdamer Ortsteil mit dem Pkw frequentierten und der Aufforderung zum „2 x hupen gegen Nazis“ nachkamen.

(Neo)nazistische Gegenaktivitäten

Überhaupt nicht einverstanden mit der antifaschistischen Kundgebung waren dagegen offenbar 20 (Neo)nazis der „Sektion Potsdam“, die unter Polizeischutz ungefähr 100m weiter eine „Eilversammlung“ unter dem Motto „Gegen linke Gewalt“ durchführten.(1.) Dabei wurde auch ein Banner mit der Aufschrift „Aufmucken gegen Links – antifaschistische Strukturen aufdecken & zerstören“, zwei Reichskriegsflaggen (1933-1935) und Kleidungsstücke der Marke „Thor Steinar“ gezeigt. Darüber hinaus waren bereits im Morgengrauen symbolische Galgen an Bäumen in Grube angebracht und später durch die Feuerwehr im Auftrage der Polizei wieder entfernt worden. Weiterhin war die ungefähr 5km lange Strecke Zwischen Ortsausgang Potsdam-Grube und der Bahnhaltestelle in Potsdam-Golm mit zahlreichen (neo)nazistischen Parolen besprüht, bemalt oder beklebt worden.

(Neo)nazipropaganda entfernt

Antifaschist_innen entfernten oder übermalten die Losungen der (Neo)nazis auf dem Rückweg aus Grube, da Ordnungsamt und Polizei hier offenbar keine Veranlassung sahen aktiv zu werden. Übertrieben war dagegen die Reaktion von Polizeibeamt_innen gegenüber einen jungen Mann, der den zahlreichen (Neo)nazistickern einen antifaschistischen Aufkleber entgegengesetzt hatte. Von ihm wurden peinlichst die Personalien festgestellt und weitere Aufkleber abgenommen.

Fazit

Auch wenn die Thematik um den Berliner „Thor Steinar Laden“ in Potsdam-Grube nur eine geringfügige Außenwirkung hatte, offenbarten die Aktivitäten des (neo)nazistischen Milieus vor Ort, dass die Problematik des (Neo)nazismus keine punktuelle Herausforderung ist, sondern vielfaches Engagement in der Gesellschaft erfordert.
Sich hinter der derzeitigen Gesetzeslage zu verschanzen ändert die Wirklichkeit nicht, klar Stellung beziehen und aktiv zu werden schon eher.

Quelle:

(1.) http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12299989/60709/Linke-Rechte-Polizisten-Das-Dorf-als-Schauplatz-eines.html

[AFN] Frankfurt (Oder) blockiert!

24. März 2012

Misslungener Auftakt für (Neo)naziveranstaltungsserie in Brandenburg / 120 (Neo)nazis scheitern nach wenigen hundert Metern an Blockaden

Mehrere hundert Menschen haben gestern in Frankfurt (Oder) gegen (Neo)nazis und rassistische Hetze protestiert. Hintergrund war ein Aufmarsch des so genannten „Freundeskreises Nord-Brandenburg“ der mit seinem Motto „Raus aus der EU –Brecht die Ketten, der Euro-Diktatur“ den Start einer ganzen Reihe thematisch ähnlicher Veranstaltungen der NPD markierte.

Blockade stoppte (Neo)naziaufmarsch.

Den 120, überwiegend aus Berlin, Sachsen-Anhalt und Brandenburg angereisten (Neo)nazis, setzten sich in Frankfurt (Oder) jedoch viele engagierte Menschen entschlossen entgegen, so dass der Aufzug überhaupt gar nicht erst vom geplanten Startpunkt, am Hauptbahnhof, beginnen konnte. Stattdessen wurden die (Neo)nazis über den Kiliansweg, die Gubener Straße, den Carthausplatz hin zum mit der Polizei vereinbarten Ausweichstartpunkt ihrer Veranstaltung geleitet. Dort warteten bereits der Lautsprecherwagen sowie die NPD Funktionäre Udo Voigt und Kaus Beier. Viel weiter ging es hier aber erstmal auch nicht, da am Carthausplatz Ecke Walter Korsing Straße, ungefähr 100m vom Aufmarsch entfernt, die Veranstaltungsroute der (Neo)nazis nämlich erneut spontan blockiert wurde. So blieb den (Neo)nazis nichts anderes übrig als noch einmal eine Stunde zu warten, ehe die Polizei einen Schleichweg Richtung Walter Korsing Straße sichern  und den (neo)nazistischen Aufzug dort durch geleiten konnte. Doch wiederum gelang es entschlossenen Menschen die Straße zu blockieren und somit in der Walter Korsing Straße Ecke Steingasse den Aufmarsch endgültig zu stoppen. Daraufhin traten die (Neo)nazis nach 550 gelaufenen Metern entnervt den Rückmarsch zum Bahnhof an. Vorher hielt jedoch noch der ehemalige NPD Bundesvorsitzende Udo Voigt einen Redebeitrag. Außerdem initiierte der Brandenburger NPD Landesvorsitzende Klaus Beier eine kuriose Sitzblockade gegen die antifaschistische Blockade, um seine Leute offenbar bei Laune zu halten. Dies gelang aber nur bedingt. Gute Laune hatten hingegen vor allem die Blockierer_innen. Nach dem Auszug der (Neo)nazis aus Frankfurt (Oder) zogen 150 Menschen als Jubeldemo vom Hauptbahnhof spontan zum Platz der Republik.

Angriff auf (Neo)nazis in Fürstenwalde/Spree

Auf dem Bahnhof in Fürstenwalde soll es, gemäß Polizeiangaben, bereits bei der Anreise zum (Neo)naziaufmarsch zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen „Linken“ und „Rechten“ gekommen sein. Wie auch Klaus Beier während des Aufmarsches dazu berichtete, seien dabei „15 Kameraden“ von „30 kriminellen Antifas“ angegriffen und verletzt worden.

Aufmärsche setzen sich fort

Am kommenden Samstag, den 31. März 2012, will die NPD unter dem Motto „Raus aus dem Euro“ in Brandenburg an der Havel aufmarschieren. Dies gilt es ebenso zu verhindern. Antifaschist_innen planen deshalb im Rahmen eines „Antifaschistischen Aktionstages“ die (Neo)nazis in der Stadt zu stoppen. Aktuelle Informationen können hier: http://afn.blogsport.de abgefragt werden.

Eine Insel mit zwei Problemen

18. März 2012

Altmärkische Gemeinde wehrt sich gegen Sexualstraftäter / NPD bietet Unterstützung an / Antifaschistische Demonstration gegen (Neo)nazis

Mit einem Sexualstraftäter verhält es sich wie mit Atommüll, von Staat und Gesellschaft gibt es bisher keine tragfähige Lösung für eine sichere Unterbringung. Niemand will ihn haben, niemand sieht sich verantwortlich. Werden trotzdem Entscheidungen getroffen, sorgen diese regelmäßig für Kontroversen.

Auch in der altmärkischen Gemeinde Insel entbrennt seit geraumer Zeit ein Konflikt, dessen Ursache ein in einer fernen Stadt über die Köpfe der Landbevölkerung hinweg gefasster Beschluss liegt.  Hierbei geht es um den Zuzug von zwei Sexualstraftätern aus Baden Württemberg, die aus der, der Strafhaft gefolgten, Sicherheitsverwahrung entlassen werden mussten, weil der Europäische Gerichtshof in der bisherigen, diesbezüglichen Rechtsprechung ein Verstoß gegen das Rechtstaatsprinzip sah. Trotzdem die ehemaligen Schwerverbrecher aber in Insel rund um die Uhr von der Polizei bewacht werden, herrscht panische Angst unter den Einwohner_innen. „Raus aus Insel“ ertönen deshalb jedes Wochenende die Rufe der aufgebrachten Dorfgemeinschaft, die ihrer Ohnmacht immer wieder mit politischen Kundgebungen begegnen. Die Art und Weise wie sich die Gemeinde aber mit seinen beiden ungeliebten Bewohnern auseinandersetzt, hat sich inzwischen jedoch zu einem eigenen Konflikt entwickelt und jetzt auch Antifaschist_innen zu einer Intervention  im Dorf bewogen.

Am gestrigen Nachmittag demonstrierten ungefähr 35 Menschen gegen die Forderungen der Insulaner nach Wiedereinführung der Todesstrafe und gegen die Aktivitäten des regionalen (neo)nazistischen Milieus in Insel. Dabei wurde vor allem die „aggressive Grundstimmung der Demonstrationen (gegen die Sexualstraftäter)“ und die „aktive Duldung von Neonazis auf den Protesten“ kritisiert. Mehrfach waren nämlich Abordnungen des NPD Kreisverbandes Altmark zur Unterstützung der Kundgebung erschienen. Mitte Februar 2012 waren auch Flugblätter dieser Partei im Ort aufgetaucht, in denen sich direkt an die Einwohner_innen gewandt und ein gemeinsamer  Kampf propagiert wurde. „(…)Denn nur wenn wir fest zusammenstehen, uns nicht auf schäbige Art und Weise trennen lassen, dann und nur dann können wir das gemeinsame Ziel, nämlich einen schnellen Wegzug der beiden Sexualstraftäter durchsetzen (…)“, so die NPD. Einige Menschen in Insel scheinen damit kein Problem zu haben. Einzelne (Neo)nazis werden auf den Kundgebungen toleriert und ihre Flugschriften aufmerksam gelesen.

Die gestrige antifaschistische Demonstration sowie die antifaschistische Flugblattverteilung am Tag zuvor wurden hingegen weitgehend als negativ aufgenommen. „Man solle doch erstmal selber klarkommen“ oder „die beiden Sexualstraftäter einfach mitnehmen“, so die schnelle Meinung im Dorf.

Dennoch war es wichtig in Insel Stellung  zu beziehen und zu versuchen mit den Einwohner_innen in Dialog zutreten. Eine vollständige Abschreibung der ländlichen Peripherie ist nämlich nur der NPD und ihrem Volksgemeinschaftkonstrukt von Nutzen, den sie  irgendwann von dort aus auch in die Städte weitertragen will.

Gefragt sind aber auch die politischen Entscheidungsträger_innen, welche endlich eine für alle tragfähige Lösung erarbeiten müssen, anstatt die Verantwortung dafür an die Dorfgemeinschaft zu delegieren.

Dessau 2012 – (Neo)naziaufmarsch und Gegenaktivitäten

10. März 2012

Polizei setzt Aufmarsch von 100 (Neo)nazis durch / Mehrere Antifaschistische  Blockaden im Zentrum

Mit einer Konzertveranstaltung und zahlreichen Blockaden haben heute mehrere hundert Menschen gegen einen (Neo)naziaufmarsch in Dessau-Roßlau protestiert. Bereits am Dessauer Hauptbahnhof wurden die (Neo)nazis dabei mit lauten Beats einer Konzertbühne genervt, konnten jedoch ohne große Verzögerung ihren Marsch beginnen.

Erst in der Johannisstraße kamen die ungefähr 100 aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen angereisten (Neo)nazis kurzzeitig zum stehen. Vor dem Eine-Welt-Laden hatten sich mehrere Menschen auf die Straße gesetzt und dadurch für Verzögerung gesorgt. Allerdings wurden sie schnell und recht unsanft von der Polizei zur Seite abgedrängt. Dennoch gab es kein Aufatmen für die (Neo)nazis. Wenige hundert Meter weiter gab es nämlich schon die nächste Blockade und der Aufmarsch kam wieder zum stehen. Diesmal vermied die Polizei allerdings die Räumung und führte die (Neo)nazis  via Hausmannstraße, Friedrichstraße und Antoinettenstraße um die menschliche Straßensperre herum. Doch auch hier waren die protestierten Antifaschist_innen lautstark gegen den unerwünschten Aufmarsch.

Erneut zum Stehen gebracht wurde der Marsch der (Neo)nazis dann wieder in der Kavalierstraße. Hier setzen sich wiederum Menschen abschnittsweise auf die Straße. In kurzer Zeit waren  so drei Blockaden gebildet und die Polizei war völlig aus ihrem Konzept gebracht. Die Überlastung war den Beamt_innen förmlich anzusehen, die daraus resultierende Aggressivität, die sich punktweise offenbarte, ebenso. Dennoch blieb es im Allgemeinen relativ entspannt. Und einige Antifaschist_innen hofften bereits auf das Ende der Naziveranstaltung. Dem war aber leider nicht so.

Die Polizei hatte sich entschlossen eine Bresche in die Blockade schlagen und die (Neo)nazis hindurchzuführen. Dies gelang aber nur punktweise. Die (Neo)nazis wurden auf dem Bürgersteig entlang geführt, flankiert vom wütenden Protest der Blockierer. Dabei gelang es einzelnen Menschen sogar den (Neo)naziaufmarsch zu spalten und zwischen den bei Marschblöcken zu blockieren. Nun ging es für die (Neo)nazis kurzzeitig nur noch in Einerreihe, durch die von der Polizei gehaltene, jedoch schmaler gewordene Bresche durch.
Der Lautsprecherwagen der (Neo)nazis hatte so allerdings keine Chance, musste umdrehen und einen anderen Weg zurück zum Aufmarsch finden. Dabei verlor er die an ihm montierte, schwarze Fahne der Kameradschaft „Dessau“. Antifaschist_innen ergriffen die Chance und sorgten für die Warmentsorgung des aufgefundenen Mülls.

(Neo)naziaufmarsch in Brandenburg an der Havel stoppen

8. März 2012

Antifaschistischer Aktionstag gegen (Neo)naziaufmarsch am 31. März 2012 geplant

Am Samstag, den 31. März 2012, will die (neo)nazistische NPD wieder einmal in Brandenburg an der Havel aufmarschieren. Dazu sind verschiedene Protestaktionen geplant. Die Zivilgesellschaft plant Gegenaktivitäten im innerstädtischen Bereich, aktionsorientierte Antifaschist_innen sind eingeladen sich direkt dem Aufmarsch entgegenzustellen.

Situation in Brandenburg an der Havel

Das (neo)nazistische Milieu tritt seit Mitte der 2000er Jahre wieder verstärkt in Brandenburg an der Havel in Erscheinung.
Waren in den 1990er Jahren vor allem brutale Gewaltübergriffe und Straßenterror an der Tagesordnung, ist in jüngster Zeit, vermutlich aus Imagegründen, ein Taktikwechsel hin zu hauptsächlich propagandistischen Aktionen zu bemerken. Die NPD hat sich nämlich seit geraumer Zeit in Brandenburg an der Havel eingenistet und versucht durch Aufmärsche, „Stammtische“, „Mahnwachen“ oder sonstige Propagandaaktionen Sympathisant_innen zu agitieren, mit ihnen die bestehende Ortsgruppenstruktur auszubauen und bei den nächsten Wahlen in Stadtparlament und Landtag einzuziehen.
Das besondere Engagement der bundesweit aktiven (Neo)nazipartei in der Stadt ergibt sich dabei aus strategischen Gesichtspunkten. Brandenburg an der Havel ist Namensgeberin ihres Bundeslandes und deren drittgrößte, kreisfreie Stadt.
Günstig für die NPD wirkte sich hier bisher die zu passive Auseinandersetzung in der Bürgerschaft mit den (neo)nazistischen Tendenzen im Stadtkreis aus. Auch Stadt und Polizei sind in der Regel bemüht die Problematik nicht zu thematisieren, obwohl die Organisierung des (neo)nazistischen Milieus zunimmt.

(Neo)nazis stoppen

Am 31. März 2012 werden sich die (neo)nazistische NPD und ihre Sympathisant_innen aus den „Freien Kräften“ ab 12 Uhr an einem Brandenburger Bahnhof sammeln und dann, so ihr Plan, in die Stadt einmarschieren.
Dabei soll vorgeblich, ähnlich wie bei den geplanten Märschen am 24. März in Frankfurt/Oder und am 12. Mai in Cottbus, der Forderung nach der Abschaffung der europäischen Währungseinheit Nachdruck verliehen werden. Tatsächlich geht es hier aber, neben völkisch motivierter Kritik an der EU-Politik, wahlstrategischen Erwägungen und blanken Populismus, um propagandistische Versuche der Aufpolierung des angeschlagenen Parteiimages nach der Aufdeckung der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) sowie um die Etablierung als vermeintlich seriöse Protestpartei.
Dies gelingt der NPD und ihren Sympathisant_innen aber nicht, wenn sich ihnen am 31. März entschlossen in den Weg gestellt wird und zudem endlich damit begonnen wird dauerhafte Konzepte gegen den (Neo)nazismus in Brandenburg an der Havel umzusetzen.

Antifaschistischer Treffpunkt am 31. März

Da der NPD mehrere Bahnhöfe als Aufmarschpunkt und dementsprechend auch unterschiedliche Routen zur Wahl stehen, kann im Moment noch kein verbindlicher Treffpunkt für antifaschistische Gegenaktivitäten genannt werden. Dies ist erst in den nächsten Tagen möglich. In jedem Fall empfiehlt es sich bis spätestens 10:00 Uhr in der Stadt zu sein. Aktuelle Informationen zum Stand der Gegenmobilisierung werden unter

http://afn.blogsport.de

veröffentlicht.
Es wird darum gebeten auf weitere Bekanntmachungen zu achten!
Der momentan beworbene Startpunkt des (Neo)naziaufmarsches ist der Brandenburger Hauptbahnhof. Er dürfte am 31. März zumindest als Schleusungspunkt eine wichtige Funktion erfüllen.

Mobi-Flyer zum Download:

Mobi-Flyer

Protestaktionen gegen kommende (Neo)naziaufmärsche im Überblick:

24. März 2012 – Frankfurt/Oder, Infos: kein-ort-fuer-nazis

31. März 2012 – Brandenburg an der Havel, Infos: afn

01. Mai 2012 – Wittstock/Dosse, Infos: inforiot

12. Mai 2012 – Cottbus, Infos: cottbus-nazifrei

Einseitiger Vortrag über die letzten Kriegstage in Rathenow

29. Februar 2012

Angehöriger der NS Wehrmacht berichtete über die Kampfhandlungen und deren Begleiterscheinungen in der Stadt am Ende des Zweiten Weltkrieges

Günter Müller hat ein Buch herausgebracht. Darin schrieb der ehemalige Soldat der nationalsozialistischen Wehrmacht unter dem Titel „Letzte Kriegstage in Rathenow 1944/1945“ (1.) seine Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges nieder. Das war 2009. Jetzt kam eine Neuauflage (2.) heraus, die über die eigenen Erinnerungen heraus ein Gesamtbild der Kampfhandlungen und deren Begleiterscheinungen in der Region vermitteln sollte. Als Zugabe wurde zudem, ZDF-Historiker Guido Knopp hätte es nicht besser machen können, die kurze Verweildauer von Hitlers Leiche im Rathenower Stadtforst thematisiert. Schwerpunkt der Publikation, die gestern im Rahmen eines Vortrages in einer Rathenower Buchhandlung vom Autor höchstpersönlich vorgestellt wurde, war aber eindeutig die Auseinandersetzung mit dem Kampfgeschehen in Stadt und Umland. Das Ende zwischen Havel und Elbe würde nämlich, so Müller, nur peripher in der bisherigen Kriegsliteratur tangiert.

Kampf und Zerstörung der Stadt

Für Müller ist das Kriegsgeschehen zwischen den beiden Flüssen jedoch keine Banalität, es enthält einen entscheidenden Abschnitt seines Lebens. Mit 17 war er im November 1944 zu einem Pionierbataillon der NS Wehrmacht in die Rathenower Garnison einberufen worden, fünf Monate später kämpfte er in der selben Stadt gegen die vorrückende Rote Armee. (3.) Dabei ist bei Müller, wenn er davon erzählt, ein gewisser Stolz klar herauszuhören. 2.000 Soldaten hätte die Wehrmacht zur „Verteidigung“ höchstens zur Verfügung gehabt, während der Gegner, die Rote Armee, mit bis zu 10.000 Soldaten angriff. Dennoch sei die Stadt über einen langen Zeitraum verbissen gehalten und der Zeitplan der „Russen“ durchkreuzt worden, so Müller. Das der Krieg dadurch aber unnötig verlängert und Rathenow völlig zerstört wurde, erscheint ihm noch heute als notwendiges Übel. Schließlich galt es, alle Angehörigen der nationalsozialistischen Armeen noch über die Elbe in die vermeintlich bessere amerikanische Kriegsgefangenschaft zu überführen. Und für die Zerstörung der Stadt an sich seien nach Müllers Meinung sowieso die „Russen“ verantwortlich. Diese hätten nämlich mit Katjuschas nach Rathenow reingefeuert. Scharf kritisierte Müller in diesem Zusammenhang den Autor eines älteren Artikels aus einer Regionalzeitung (4.). Dieser hatte dort nämlich geschrieben, dass zwei Flak-Batterien von Stellungen in Klein-Buckow und Göttlin nach Rathenow reinschossen und dadurch die Stadt zerstört hätten. Dies sei unwahr, so Müller gestern, und begründet seine Behauptung mit der vermeintlichen Gefährdung der eigenen Soldaten. Ein Zeitzeuge aus Milow, der sich im gestrigen Publikum befand, untermauerte jedoch die Version des starken Beschusses durch die Wehrmacht bzw. ergänzte diese durch eigene Wahrnehmungen. Auf der ehemaligen Kleinbahnstrecke zwischen Kuxwinkel und Schlagenthin war demnach auch ein Eisenbahngeschütz stationiert, das permanent in die Stadt hineinschoss. Müller beharrte jedoch trotzdem auf seinen Standpunkt, dass in erster Linie die „Russen“ mit ihren Katjuschas Rathenow zerstört hätten.
Für ihn rückte nunmehr die Frage nach der Motivation für die verbissene Verteidigung der Stadt in den Mittelpunkt seiner Veranstaltung. Dabei widersprach er der landläufigen Meinung der alliierten Militärliteratur, dass die Angst vor der Rache der Rote Armee die Soldaten des NS Regimes antrieben. Für Müller war dies vielmehr die Aussicht auf eine vermeintlich bequemere amerikanische Kriegsgefangenschaft, die kaum 25km weit entfernt, jenseits der Elbe wartete.
Außerdem, so ein Mann aus Premnitz während der Veranstaltung, wäre Rathenow, im Hinblick auf die Folgen der verbissenen Verteidigung, höchstwahrscheinlich auch ohne Kampfhandlungen von der Roten Armee abgebrannt worden. Über ähnliche Beispiele hätte er jedenfalls in der Kriegsliteratur gelesen. Keine Stadt wäre demnach von derartigen Zerstörungen verschont geblieben. Das aber beispielsweise gerade Premnitz kampflos an die Rote Armee übergeben und danach nicht niedergebrannt wurde, war dem Mann offenbar entfallen.

„Kriegsverbrechen“

Überhaupt wurde sich gestern wieder gern und viel über die „Barberei der Sowjets“ echauffiert. Ein junger Mann aus dem Publikum nannte das von der NS Propaganda instrumentalisierte „Massaker von Nemmersdorf“, bei dem ungefähr 30 deutsche Zivilist_innen während der dortigen Kampfhandlungen durch Angehörige des sowjetischen Militärs erschossen wurden (5.), als besonderes Beispiel dafür. Müller ergänzte ihn mit einem schaurigen Bericht über Vergewaltigungen durch Rotarmisten in einem Lazarett bei Beelitz. Nun war die deutsche Leidensgeschichte voll entflammt. Der junge Mann meldete sich wieder zu Wort und bemerkte, dass auch die amerikanische Kriegsgefangenschaft nicht wirklich eine gute Option für die Angehörigen der nationalsozialistischen Armeen gewesen sei. Ihm lägen Dokumente über tausende Tote in den so genannten „Rheinwiesenlager“ (Kriegsgefangenenlager) vor. Müller sprach in seinen Ausführungen indes nur von etwas über 700, dort in der Gefangenschaft an mangelnder Hygiene und Unterernährung, Gestorbenen. Dann thematisierte der junge Mann die Bombardierung Dresdens, wobei die durch die Historikerkommission vorgenommene Korrektur der Opferzahlen von 35.000 auf 25.000 Tote als „Krone der Schöpfung politischer Korrektheit in der BRD“ von ihm scharf gerügt wurde. Als er dann aber noch, im Zusammenhang mit Müllers Kapitell über Hitlers Leiche in Rathenow ernsthaft auf ein Buch von Verschwörungstheoretikern hinwies, demnach Hitler den Krieg überlebt hätte und 1945 mit einem U-Boot nach Südamerika entkommen sei, war die Veranstaltung endgültig zur Farce geworden.
Eine Betrachtung der regionalen Verbrechen des NS Regimes, als Teil des beabsichtigten  Gesamtbildes der Kampfhandlungen und deren Begleiterscheinungen, war so nicht mehr zu erwarten und fand auch nicht statt. Auch in seinen Büchern behandelt Müller diese Thematik nur am Rande. Lediglich den Deserteuren ist ein größerer Abschnitt gewidmet. Konzentrationslager und deren Häftlinge werden nur beiläufig erwähnt, obwohl es in Rathenow ein KZ Außenlager gab. Die Shoa, das Schicksal der Zwangsarbeiter_innen sowie die Todesmärsche in den letzten Kriegstagen spielen hingegen überhaupt keine Rolle. Allerdings bekräftigt Müller in seinem Buch, das die „Vergeltung“ der Rotarmisten in keinem Verhältnis zu dem stehe „was deutsche Soldaten in Polen und in der UdSSR angerichtet hatten“ (6.). Trotzdem drängt sich bisweilen die Vermutung auf, dass diese entlastenden Kurzpassagen im Werk nur eine Alibifunktion für eine allgemeine Diskreditierung der Roten Armee sind. Seitenweise wird nämlich recht emotional von „Exzessen“, „entsetzlichen Gräueltaten“ oder der „Barbarei“ der „Russen“ und ihrer Streitkraft gesprochen, während die nur sehr vereinzelt genannten, vorangegangenen Untaten der Nazis – betont sachlich – schlimmstenfalls als „Verbrechen“ bezeichnet wurden.

Fazit

Auch mit Günter Müllers Buch bzw. dessen Neuauflage  wurde kein abschließendes Dokument, kein Gesamtbild, über die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges in Rathenow und Umgebung verfasst. Zu viele Fragen sind noch offen, zu viele Dinge ungeklärt. Dennoch ergaben sich aus seinen Büchern sowie der gestrigem Buchvorstellung einige neue Details zum Kampfablauf.
Die Abhandlung der „Kriegsverbrechen“ wird von Müller auffällig einseitig geführt und könnte als vorzügliche Argumentationsgrundlage für (Neo)nazis, von denen gestern übrigens auch eine Handvoll im Publikum saß, dienen.

Quellen:

1.) Günter Müller: „Letzte Kriegstage in Rathenow 1944/1945“, Rathenow, 2009
2.) Günter Müller: „Die Verteidigung von Rathenow 1945 und Hitlers Leiche in Rathenow“, Potsdam, 2011
3.) Wie (1.)
4.) Rudolf Bergau: „Während dessen plünderten SS – Leute die Sarkophage im Böhner Mausoleum“ in Märkische Allgemeine Zeitung, Seite 16, 18. März 1995
5.) http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Nemmersdorf
6.) aus Quelle 2.), Seite 82-83

Antirassistische Demonstration in Dessau

27. Februar 2012

Mehrere hundert Menschen demonstrierten gegen Rassismus, Polizeigewalt und (Neo)nazismus / „Dessauer Verhältnisse“ im Focus der Kritik

In Dessau haben am vergangenen Samstag bis zu 500 Menschen gegen Rassismus, Polizeigewalt  und (Neo)nazismus demonstriert. Anlass waren der Tod des Flüchtlings Oury Jalloh am 7. Januar 2005 in Polizeigewahrsam, die Polizeiübergriffe auf Migrant_innen während und in Folge der Gedenkdemonstration für den Getöteten am 7. Januar 2012 sowie rassistisch motivierte Demonstrationen in den vergangenen Wochen.

 „Dessauer Verhältnisse“

Der vom Anhaltinischen Theater aus gestartete Demonstrationszug machte sodann auch keinen Hehl aus dem Unmut über die unmöglichen Zustände in Dessau. In einem Redebeitrag wurde in diesem Zusammenhang vor allem der „tief in der Bevölkerung verankerte Rassismus und Nationalismus“ als Ursache benannt. Dazu gesellen sich die lokale, „organisierte Neonaziszene mit fließendem Übergang zu rechtslastiger Jugendkultur“, „Stammtischnazis“, ein „rechtsdominierter Fußballverein“ und ein  „NPD-Stadtrat“ sowie „überforderte Behörden“ und „rassistische Polizeibeamte“. Entsprechend trostlos war auch der Eindruck, den die Stadt während der Demonstration vermittelte. Vielen Bürger_innen war das Unverständnis über die Veranstaltung anzusehen. Dennoch war es richtig das Anliegen der Demonstration genau dort vorzutragen. Durch die „Dessauer Verhältnisse“ sind nämlich Menschen gestorben. Alberto Adriano im Jahr 2000 und Hans-Joachim Sbrzesny 2008 als Opfer von (Neo)nazis sowie Oury Jalloh als Opfer von Polizeibeamten.

„Oury Jalloh es war Mord“

Da es zum Tod von Oury Jalloh jedoch noch kein abschließendes Urteil gibt und in einem früheren Verfahren die mutmaßlichen Täter sogar freigesprochen wurden, stand besonders dieser Fall im Vordergrund des Protestes. Dabei wurde die offizielle Tatversion immer wieder angezweifelt und aufgrund von Beweismanipulationen und Falschaussagen lautstark in Frage gestellt: „Oury Jalloh es war Mord“. Allerdings ohne das die Polizeibeamt_innen diesmal, im Gegensatz zur Gedenkdemonstration am 7. Januar 2012, brutal einschritten.
Schließlich führte die Demonstration auch zu dem Polizeirevier, in dessen Zelle Oury Jalloh am 7. Januar 2005, gefesselt, durch ein, so die offizielle Tatversion, von ihm selbst gelegtes Feuer, verbrannte. Mit einer Schweigeminute wurde dem Getöteten gedacht. Auch Oury Jallohs Mutter war anwesend und gedachte in besonders eindringlicher Weise ihrem verstorbenen Sohn.

Antifaschistische Großdemonstration in Dresden

19. Februar 2012

Tausende Menschen protestierten gegen (Neo)nazis, Geschichtsrevisionismus und staatliche Repression

Gestern versammelten sich in Dresden bis zu 10.000 Menschen um gemeinsam (Neo)nazis, Geschichtsrevisionismus und staatliche Repression zu protestieren. Ausgehend vom Hauptbahnhof zogen die Protestierer_innen dabei in Form einer Demonstration entlang der Altstadt, an der Synagoge,  über die Carolabrücke, neben dem sächsischen Innenministerium, am Albertplatz, sowie seitwärts des Neustädtischen Bahnhofs vorbei, bis hin zum Jugendhaus „Roter Baum“.

Der 13. Februar und Dresden

Hintergrund der Veranstaltung waren die Ereignisse um den 13. Februar, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Tag sowie die staatlichen Reaktionen in der politischen Debatte. Während des zweiten Weltkriegs wurde nämlich auch Dresden, infolge des Zurückdrängens der Aggression des NS Regimes, von Alliierten Bomberstaffeln angegriffen und dadurch weitgehend zerstört. Dabei starben am 13. Februar 1945 ungefähr 25.000 Menschen. Die NS Propaganda verzehnfachte damals jedoch die Zahl der Opfer und legte mit dieser Fälschung den Grundstein für die gesellschaftliche Debatte der folgenden Jahrzehnte. Dresden wurde so nämlich als besonderes Fanal angesehen und immer wieder für politische Zwecke missbraucht. Seit Ende der 1990er Jahre hatten dann auch (Neo)nazis das Gedenken für sich entdeckt um aktiv Geschichtsrevisionismus zu betreiben. Deren Intension ist dabei das Andenken an die Opfer der Shoa durch die Thematisierung und  Dramatisierung eines angeblichen „Bombenholocaustes“ zu tilgen. Fataler Weise wurde diese Kampagne lange Zeit durch die Stadt ignoriert, so dass daraus der größte (Neo)naziaufmarsch Europas werden konnte. Erst das Anwachsen antifaschistischer Proteste seit Mitte der 2000er Jahre und die Blockaden der Märsche seit 2010 lassen heute zaghafte Ansätze für ein Umdenken erkennen. Dennoch ließ der sächsische Freistaat in der jüngsten Vergangenheit nichts aus, um mit repressivsten Mitteln, bis hin zur Aufhebung der Immunität von Abgeordneten und der Fabulierung von kriminellen Vereinigungen  die Proteste gesellschaftlich zu ächten.

Gemeinsam gegen Repression und Revisionismus

Da das (neo)nazistische Milieu alle Aktionen auf den vergangenen Montag konzentrierte und zu einem Großaufmarsch am 18. Februar 2012 nicht antrat, nutzte die im Bündnis „Dresden Nazifrei“ organisierte bundesweite Protestbewegung den Tag um grundsätzliche Kritik am sächsischen Demokratieverständnis zu formulieren. Als zu einseitig und zu behaftet von der so genannten Totalitarismustheorie wurde es von allen Versammlungsteilnehmer_innen einhellig abgelehnt. Für kurze Redebeiträge konnten diesbezüglich auch die Vorsitzende der Partei „Die LINKE“, Gesine Lötzsch, die Bundestagsvizepräsidentin, Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sowie der Fraktionsvorsitzende der Partei „Die LINKE“ im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, gewonnen werden. Als ebenfalls zu einseitig wurde das Geschichtsbild des „unschuldigen“ Dresden verworfen, Tatorte in der Stadt benannt  und an die Opfer des NS Regimes erinnert.  Auf Pappschildern waren auch vielfach die Namen von Menschen zu lesen, die in den letzten Jahren von (Neo)nazis umgebracht wurden. Auch in diesem Zusammenhang wurde noch einmal Kritik an den staatlichen Behörden geübt, da viele Opfer (neo)nazistischer Gewalt nicht als solche anerkannt werden. Besonders scharf wurden die Sicherheitsbehörden zudem wegen ihres Versagens im Zusammenhang mit den Morden des so genannten „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) gerügt. Hier Steht auch einmal mehr Sachsen in der Kritik, da die Haupttäter über Jahre vom westsächsischen Zwickau aus unerkannt operieren konnten.

Scharmützel am Rande

Die Polizei begleitete die Demonstration nur an wenigen Abschnitten, dort aber vermummt, behelmt und mit Tonfa, Reizgas, Schusswaffen sowie vereinzelt mit Pepperball-Waffen ausgerüstet. Übergriffe durch die Beamt_innen hielten sich dennoch in Grenzen. In der Großenhainer Straße Ecke Röderauer Straße wurden kurzzeitig Versammlungsteilnehmer_innen angegriffen, nachdem Unbekannte Silvesterböller gezündet hatten. Zudem kam es nach der Beendigung der Demonstration ebenfalls in der Großenhainer Straße, jedoch zwischen Ecke Zeithainer und Ecke Coswiger Straße zu einem Scharmützel mit der Polizei. Offenbar waren Beamt_innen auch hier gegen einzelne Versammlungsteilnehmer_innen vorgegangen. Die Situation entspannte sich jedoch nach dem Abzug der Polizeieinheiten.

[AFN] Gedenkkundgebung in Brandenburg an der Havel

16. Februar 2012

Ungefähr 70 Menschen gedachten Sven Beuter und bekannten sich gegen (Neo)nazismus

Im Rahmen einer Kundgebung haben gestern ungefähr 70 Menschen in Brandenburg an der Havel an  Sven Beuter gedacht. Der damals 23 jährige Punk  wurde am 15. Februar 1996 von einem (Neo)nazi angegriffen, brutal zusammengeschlagen und getreten. Wenige Tage später verstarb Sven Beuter an den Folgen seiner schweren Verletzungen.
Die gestrige Kundgebung fand an dem Ort statt, wo Sven Beuter vor 16 Jahren blutüberströmt gefunden wurde. Hier ist eine Gedenkplatte eingelassen, die an den brutalen Angriff erinnert.

Redebeiträge von VVN und AFN

In Redebeiträgen des Vereines der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und des Antifaschistischen Netzwerkes [AFN] wurde darauf hingewiesen, dass die (neo)nazistische Ideologie die Hauptursache für diesen und weitere brutale Angriffe sowie auch für die aktuell diskutierten Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) war. „Individuen“ spielen im (Neo)nazismus „keine Rolle“, so ein AFN-Sprecher. Für (Neo)nazis zähle nur das Volkskollektiv. „Abweichler oder Angehörige anderer ´Völker´“ werden in der (neo)nazistischen Ideologie deshalb als „Schädlinge“ des „rassisch definierten Volkskörpers verunglimpft und deshalb mit brutalsten Mitteln bekämpft“, so der AFN-Vertreter weiter. Ein Sprecher des VVN sah den Tod von Sven Beuter vor allem als Angriff auf „Linke“ und kritisierte deshalb auch die derzeitige konservative Bundesregierung. Mit ihrer Polemik gegen die Partei „Die.LINKE“ werde polarisiert und Feindbilder geschaffen.

(Neo)nazistische Parolen gegen die Kundgebung

Für das lokale (neo)nazistische Milieu schien hingegen gestern schon der Gegner festzustehen. An mehreren Stellen im Stadtgebiet, so auch an einem Hauseingang unmittelbar neben der Gedenkplatte für Sven Beuter, waren Farbanschläge mit dem Slogan „AFN zerschlagen“ angebracht worden. Ernstzunehmende Erwägungen dies auch in die Tat umzusetzen, wurden aber gestern nicht bekannt. Lediglich zwei Späher der (neo)nazistischen Vereinigung „Freie Kräfte Brandenburg/Havel“  wurden beobachtet, als sie die Gedenkveranstaltung aus der Ferne auskundschafteten. Dennoch sei in Brandenburg an der Havel „einiges in Bewegung“, so ein AFN Sprecher während seines Redebeitrages. „(Neo)nazistische Organisationen“ treten demnach vermehrt in Erscheinung und „versuchen durch Hasspropaganda ein Klima der Angst zu erzeugen“.  „Mehrere hundert Holocaustleugner_innen“, so der Vertreter der AFN weiter, durften sich allein im vergangenen Jahr „ohne Protest der Stadt versammeln“, während die Oberbürgermeisterin einige Tage später auf „einem mit Reichskriegsflagge geschmückten Motorrad“ posierte.

Statt Passivität der Stadt, Engagement der Bürger_innen

Das sehr passive und  teilweise unbedarfte Verhalten der  Stadt in der Auseinandersetzung mit dem (Neo)nazismus in Brandenburg an der Havel setzte sich auch bei der gestrigen Gedenkveranstaltung fort. Eine offizielle Delegation zur Teilhabe am Gedenken von Sven Beuter war nicht erschienen. Auch die Oberbürgermeisterin oder eine entsprechende Vertretung war nicht anwesend.
Dafür legten Vertreter_innen der Partei Die.LINKE, des Vereins der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und des Antifaschistischen Netzwerkes [AFN] Blumen und Kränze an der Gedenkplatte für Sven Beuter nieder und bekannten sich gemeinsam mit vielen anderen Bürger_innen eindeutig gegen (Neo)nazismus.